Ein Übermaß von Welt – Fun Facts

Hier gebe ich tiefere Einblicke in Hintergründe und Bedeutungen verschiedener Motive in meiner Novelle „Ein Übermaß von Welt“. Spoiler lassen sich dabei nicht vermeiden.


Fun Fact 01:

In Kapitel 2 warnt Theas Mutter ihrer Tochter: „Wenn man zu lange in den Abgrund starrt“, hatte sie leise und eindringlich erklärt, „starrt der Abgrund zurück.“ Damit referenziert sie eine Aussage von Friedrich Nietzsche:

„Wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.“

Ich dachte, jetzt wo Ralph Neumüller so berühmt wird, baue ich besser mal eine Nietzsche-Referenz ein.

Fun Fact 02:

In Kapitel 2 rasten Gale und Thea in einem Raum, in dem es einen alten Brunnenschacht im Boden gibt. Die ganze Szene ist eine Hommage an die gleichen Szene im Herrn der Ringe, als die Gemeinschaft in einem ähnlichen Raum in Moria rastet. Während dieser Nacht in Khazad-dûm lässt Frodo einen Stein in den Brunnen fallen. Im Kapitel 2 warnt Gale Thea jedoch davor einen Stein in den alten Brunnenschacht zu werfen.

„Mach das nicht“, erklärte Gales Stimme ruhig. „Wecke nicht unbedarft und ohne Not etwas, das du nicht wieder zum Schlafen bringen kannst. Lass es ruhen. Alles hat seine Zeit und seinen Ort.“

Das ist ein Foreshadowing des Endes der Geschichte. Thea ist noch nicht bereit sich der Angst und der Tiefe zu stellen. Ihre Reise liegt noch vor ihr.

Fun Fact 03:

In Kapitel 4 findet Thea den Saal der Herrscherin uns steht vor dem Rubinthron.

„Ich sage Kristall“, murmelte Thea, „denn sonst müsste ich Rubin sagen, und wo bitte findet man Edelsteine in einer Größe, dass sich Möbel daraus fertigen lassen?“

Dieser Rubinthron ist eine Hommage an den Rubinthron von Elric von Melniboné dem ewigen Helden aus dem gleichnamigen Werk des Autors Michael Moorcock aus dem Jahr 1972.

Fun Fact 04:

In Kapitel 5 sieht Thea das große Netz, welches den Schacht durchspannt. Gale erklärt ihr, dass es von einem Monster gebaut wurde: „Es hatte die Form einer Spinne, aber es handelte sich in Wirklichkeit nicht um eine Spinne, sondern um einen Schwarm aus unzähligen kleinen stechenden Insekten, die zusammen die Form einer Spinne annahmen. Ihr Stich war tödlich!“

Das ist eine Hommage an Ygramul, die Viele, aus Michael Endes Roman „Die unendliche Geschichte“.

Fun Fact 05:

Zu Beginn der Geschichte wird Gale von einem Roboterpferd begleitet. Ich mag keine Autos, aber ich mag Roboterpferde. Als ich klein war, habe ich immer 80er Jahre Animes im Fernsehen geschaut. Meine Lieblingsserien waren „Saber Rider und die Star Sheriffs“ und „Galaxy Rangers“. In beiden Serien kommen Roboterpferde vor. Jetzt habe ich auch endlich ein Buch mit einem Roboterpferd. Ich glaube ich will ein Roboterpferd haben. Eines, das fliegen kann. Boston Dynamics soll mal Gas geben, ich werde nicht jünger.

Fun Fact 06:

Der Maschinengeist hat eine sehr offensichtliche Referenz in den Maschinengeistern, welche das Imperium durch den Kult Mechanicus im Warhammer 40k Universum benutzt. Dort ist es Teil des imperialen Glaubens, dass alle Maschinengeister Teil des Willens des Maschinengottes sind und sich in dieser Beziehung maßgeblich für das Funktionieren von technischen Geräten verantwortlich zeigen. Das Warhammer-Universum macht mir schon seit einigen Jahren zunehmend zu schaffen. Es ist das Gottlose und als Folge davon Dämonische, Hoffnungslose und Verzweifelte, was an meinen Nerven zehrt. Ich finde es inakzeptabel, dass das Warhammer 40k Universum die komplette Motivspähre gotisch-religiöser Ästhetik für sich pachtet und dann nichts als okkultistischen Wahnsinn damit produziert. Zeit die Motive zurückzuerobern. Mein Maschinengeist ist aus dem Warhammer Universum desertiert und strebt nun alternative Karrierewege an. Ich plane bereits ein Buch um ihn herum.

Fun Fact 07:

Im Laufe der Geschichte kommt Thea immer wieder an steinernen Torbögen vorbei, die an einer Felswand enden und keinen Durchgang erlauben. Erst ganz zum Schluss stellt sich heraus, dass die Tore durch Musik geöffnet werden, die allerdings so kompliziert ist, dass Gale es allein nicht schafft. Diese Türen sind eine kleine Hommage an Lena Richters Geschichte „Dies ist mein letztes Lied“, welche auf diesem absolut großartigen Motiv basiert.

Fun Fact 08:

Am Ende erfährt Thea von Gale, dass er sie nach ihrem Sturz zurückgetragen hat.

Dies ist eine Referenz auf das berühmte christliche Gedicht „Spuren im Sand“, welches die kanadische Kinder- und Jugendbuchautorin Margaret Fishback Powers am Wochenende des Thanksgiving 1964 in Echo Lake Camp in Kingston schrieb.

Fun Fact 09:

Im ersten Coverentwurf für „Ein Übermaß von Welt“ hat  die Protagonistin auf dem Pferd sitzend noch eine Laterne, welche sie hoch empor hält, um in der Dunkelheit des Schachts etwas zu sehen.

Hätte es dieses Motiv bis auf das Cover geschafft, würde es eine Textstelle aus der Bibel referenzieren:

„Niemand aber, der ein Licht anzündet, bedeckt es mit einem Gefäß oder stellt es unter ein Bett, sondern er setzt es auf einen Leuchter, damit die, welche hereinkommen, das Licht sehen. Denn nichts ist verborgen, das nicht offenbar werden wird, und nichts ist geheim, das nicht bekannt werden und an den Tag kommen wird.“

[Lukas 8:16-17]

Fun Fact 10:

Die Ballonwesen in „Ein Übermaß von Welt“ sind offensichtlich die gleichen, wie in „Anahita“. Die Menschen des Schachts benutzen sogar den gleichen Namen, der ursprünglich aus der hawaiianischen Sprache stammt. Anahita wurde ursprünglich von der Erde aus besiedelt, das erfahren wir im Roman. Von dort aus, durch die endlosen, transdimensionalen Tiefen der Meere, muss es also auch eine Verbindung in den Schacht geben. Keine Ahnung wie, aber eines können wir mit Sicherheit festhalten: Polynesische Seefahrer sind wirklich weit herumgekommen!

Fun Fact 11:

Der Tempel in dem Thea sich in Kapitel 8 verirrt, zeigt im Gebrauch seiner Motivik mehr als nur offensichtliche Parallelen zu dem 1895 erschienene Klassiker der Science-Fiction-Literatur „Die Zeitmaschine“ von H. G. Wells. Die Bewohner erinnern nicht aus Zufall an die friedlichen Eloi. Das getriebene Verhalten, die Sprachlosigkeit, selbst bis hin zur Gleichgültigkeit gegenüber dem Tod einer der Ihren. Nachdem Thea dem Tempel entkommen ist, erwähnt Gale sogar, dass es wahrscheinlich besser war, dass sie die Kellergewölbe nicht gesehen hat. Eine kleine Referenz an die „Morlocks“ dieser Welt, die unter dem Tempel leben, für die ich jedoch schlicht keinen Platz mehr hatte. Das Buch ist auch so schon zu lang für eine Novelle.

Fun Fact 12:

Die Darstellung der Schönen in Kapitel 10 lehnt sich eng an die Beschreibungen an, welche die Klienten von Dolores Cannon im Zuge ihrer Rückführungen unter Tiefenhypnose geliefert haben, wann immer sie über die Priesterinnen von Atlantis sprachen. Von dort kommt auch die Herrschaft über die Kristalle und der Fall einer enorm weit fortgeschrittenen Rasse, die zu lange lebte und zu viel Macht besaß. Nachzulesen in der fünf Teile umfassenden Buchserie „The Convoluted Universe“. Für Science-Fiction Autoren absolut empfehlenswert; die Motivdichte ist atemberaubend. Kapitel 10 in „Ein Übermaß von Welt“ ist also gar nicht Science-Fiction, ist quasi Journalismus.

Fun Fact 13:

In Kapitel 9 erklärte Gale Thea die Natur des Geistes.

„Unser Geist“, antwortete Gale. „Er ruft Ordnung aus Chaos und Potenzial hervor. Das ist seine Aufgabe. Der Geist geht allen Dingen voran, er führt sie, beherrscht sie.“

Dies ist eine Referenz an die älteste buddhistische Vers-Sammlung, dem Dhammapada.

Dort heißt es in Vers 1:

„Allen mentalen Phänomenen geht der Geist voraus. Der Geist ist ihr Meister, sie werden vom Geist hervorgebracht.“

Fun Fact 14:

In Kapitel 10 erklärt Theas Unterbewusstsein ihr: „Nicht alles, was Gold ist, glänzt und nicht jeder, der wandert, verloren.“

Das ist ein Zitat aus dem Herrn der Ringe. Es ist der Anfang des Gedichts, welches Bilbo für Aragorn geschrieben hat.


Fun Fact 15:

Im Epilog erklärt Gale: „Dem, der dort unten in der gefrorenen Zeit mit den Flügeln schlägt, sollte kein Mensch allein entgegentreten müssen.“

Das ist eine Referenz an Dantes Inferno, die Göttliche Komödie. Im Zentrum der Hölle, welches gefroren ist, trifft der Protagonist auf Luzifer in Form einer riesigen, furchterregenden Bestie, hüfttief im Eis gefangen. Der eisige Wind, der vom Schlagen von Luzifers Flügeln ausgeht, sorgt nur dafür, dass er selbst im gefrorenen See gefangen bleibt.

Kein Wunder, das Gale versucht sie einzuholen.

Fun Fact 16:

In Kapitel 9 erklärt Gale den Gegensatz zwischen Chaos und Ordnung und wie Chaos eine Form von noch nicht realisiertem Potential ist.

Dies lehnt sich an die Definition des hebräischen Begriffs tōhū wā-ḇōhū an (sinngemäß: Formlos und leer), wie er in der Bibel in Genesis benutzt wird. Dort bezeichnet er das ungeordnete Sein, respektive das urzeitliche Chaos vor der Schöpfung. Aus diesem Chaos kann der göttliche Wille Ordnung schaffen, weil aller Schöpfung der Geist vorangeht. Die Dynamik zwischen Ordnung und Chaos und die Rolle des Geistes, welche Gale so eloquent beschreibt, wurde inspiriert durch die analoge Erklärung in Kapitel 1 von Jordan Petersons Buchs „Gott. Das Ringen mit einem, der über allem steht.“ von 2024.

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