Blindsight (Deutsch: Blindflug) ist ein Science-Fiction-Roman des kanadischen Autors Peter Watts aus dem Jahre 2006.
Das Werk war 2007 für einen Hugo Award nominiert, den es aus Gründen, die ich bis heute nicht nachvollziehen kann, nicht gewonnen hat.
Der Roman fällt in die Kategorie der extra hard Science-Fiction, stellt also wissenschaftliche und technische Zusammenhänge sehr stark in den Vordergrund. Das macht das Buch zu einer eher anspruchsvollen Lektüre, was ohne Zweifel seine geringe Bekanntheit erklärt.
Wer es jedoch schafft, sich auf den Text einzulassen und sich nicht von den teilweise recht kryptischen physikalischen und astronomischen Zusammenhängen abschrecken zu lassen, findet meiner Meinung nach einen der besten Science-Fiction-Romane der letzten Jahrzehnte.
Der Roman beschreibt den ersten Kontakt der Menschheit zu einer außerirdischen Intelligenz, und hier lässt der Autor bereits alle anderen Werke in diesem Genre meilenweit hinter sich. Watts hat es als einziger Autor überhaupt geschafft, in seinem Werk die Kontaktaufnahme der Menschheit zu einer außerirdischen Intelligenz auf eine Weise zu beschreiben, die mich vollkommen überzeugt hat. Die Begegnung ist fremdartig, vollständig unverständlich und zutiefst verstörend.
In genau dieser Atmosphäre schickt der Autor den Außerirdischen eine Aufklärungsmission entgegen, und von dem Moment an dreht das Buch vollständig ab. Das Schiff, die Charaktere und der Plot sind schlicht brillant. Habe ich erwähnt, dass die Mission von einem Vampir geleitet wird?
Nicht nur hat Watts die Messlatte für Kontaktaufnahmen zu Außerirdischen unfassbar hoch gelegt, er hat es auch geschafft, in einem harten Science-Fiction-Roman Vampire einzubauen … auf eine Weise, die mich ebenfalls vollkommen überzeugt hat.
Wer jetzt noch nicht interessiert ist, dem kann ich auch nicht helfen.
Der Titel Blindsight bezieht sich übrigens auf das gleichnamige neurologische Phänomen, bei dem Patienten auf visuelle Stimuli reagieren, auch wenn sie diese nicht bewusst wahrnehmen. Der deutsche Begriff ist: Blindsehen.
Was den deutschen Verlag geritten hat, das Buch Blindflug zu nennen, kann ich nicht erklären, zumal es in diesem Buch keinen Blindflug gibt.
Peter Watts hatte nie großen Erfolg mit diesem Buch, so sehr ich ihm den Erfolg auch wünschen würde, denn er verdient ihn. Kryptische Science-Fiction ist einfach nicht populär (das kann ich zutiefst bestätigen), und Watts ist, meiner Meinung nach, ein extrem unterschätzter Autor. Der geringe Erfolg des Romans hat schließlich sogar dazu geführt, dass der Autor die englische Version des Buches kostenlos auf seiner Webpage zur Verfügung gestellt hat.
Er selbst sagt dazu in seinem Blog, dass das seinen Roman wahrscheinlich davor bewahrt hat, in Vergessenheit zu geraten.
Ich habe das Buch bis jetzt dreimal gelesen, und es wird jedes Mal besser. Dieser Autor ist definitiv eines meiner Vorbilder.
Ach ja: Zu dem Werk ist 2015 mit Echopraxia ein zweiter Teil erschienen, der mindestens genauso genial, abgefahren und lesenswert ist, wenn auch noch kryptischer und noch verstörender. Ja, ich dachte auch nicht, dass das noch geht.