Eine Blume mit zwei Seiten

Hier gebe ich tiefere Einblicke in Hintergründe und Möglichkeiten der Interpretation meines Romans Die Sprache der Blumen.

Spoiler lassen sich dabei nicht vermeiden.


— Spoilerwarnung —


Eine Möglichkeit sich dem Buch zu nähern wäre, sich die beiden Protagonisten als zwei Seiten der gleichen Person vorzustellen. Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet: Was passiert jetzt tatsächlich in dem Buch?

Das Aggressive, zerstörende Prinzip (repräsentiert durch den Affen George) und das empathische, gebärende Prinzip (Die Hüterin Lilian) stehen sich gegenüber. Das Äußere und das Innere. Das Kalte und das Warme. Licht und Dunkel. Die tiefste und älteste Dichotomie, die wir kennen.

Es sind diese zwei Aspekte, die in jedem von uns angelegt sind. Beide haben Potential, beide haben Grenzen.

Das Aggressive kann sich nicht entwickeln, es stagniert. Denn was zerstört, kann nicht erschaffen.

Um sich entwickeln zu können (mehr zu werden), hat das Schaffende nur die Möglichkeit das Zerstörende in sich zu überwinden, welches das verhindern will. Aber wie?

Es muss verstehen lernen und wird dazu von seiner Weisheitsressource (dem Baumlehrer) angewiesen zum Grund der Dinge zu gehen.

Nur dort kann man verstehen woher das Zerstörerische kommt, denn nur dann kann man es auch überwinden.

Die Reise geht von einem halbwegs sicheren Ort (unser tägliches Bewusstsein) zum tiefsten, erschreckendsten Ort (an die Wurzel, in das Unterbewusstsein) um dort Erkenntnis zu finden. Dort, wo in den Tiefen der Seen noch ganz andere, alte, namenlose Schrecken lauern. Wird die Angst überwunden, steigt man auf (durch den Stamm) zu einer höheren Ebene (der Blüte). Es entwickelt sich ein höheres Selbst, indem man den zerstörerischen Aspekt in sich (dem Affen George) überwindet (sterben lässt).

Man beachte dabei, dass George von den Wesen im Wald nicht wahrgenommen wird. (Wer erinnert sich an Fight Club, von Chuck Palahniuk? Gleiche Idee.)

George ist wirklich man kann ihn anfassen, aber inwieweit ist er real? Inwieweit ist der Wald real? Das ganze Szenario ist nicht umsonst traumhaft angelegt.

Das ist eine Möglichkeit den Roman zu betrachten. Den ganzen Inhalt als traumhafte Metapher zu begreifen, dafür ist Raum.


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