Lotusblüten und Liebeserklärungen

Hier gebe ich tiefere Einblicke in Hintergründe und Bedeutungen verschiedener Motive in meinem Roman Die Sprache der Blumen. Spoiler lassen sich dabei nicht vermeiden.

— Spoilerwarnung —

Wer mein Schreiben verfolgt, weiß, dass ich in allen meinen Büchern buddhistische Motive einfließen lasse. Theorie und Praxis der Lehre Buddhas haben seit über zwanzig Jahren einen festen Platz in meinem Leben, deswegen macht es für mich Sinn dies auch in meinem Schreiben anklingen zu lassen.

Auch in meinem Roman Die Sprache der Blumen sind diese Motive präsent. Es ist kein Zufall, dass die Protagonistin einen kahlen Kopf hat, sich in orange Roben wickelt und in tiefer Versenkung den Gedanken und Gefühlen des Waldes nachspürt.

Im Buch findet sich außerdem ein sehr schönes, bildliches Motiv, welches zu den bekanntesten Darstellungen im Buddhismus überhaupt gehört. Die Spitze des Weltenbaumes wird von einer riesigen Blüte gebildet. Es wird nicht explizit darauf hingewiesen, aber wenn diese Blüte sich öffnet, handelt es sich um einen weißen Lotus. Der Buddha selbst wird auf Abbildungen und in Skulpturen immer in einer Lotusblüte sitzend dargestellt.

Der Lotus ist in der spirituellen Tradierung Indiens und Ostasiens das Symbol für Erleuchtung schlechthin, da er immer rein und frei von Verschmutzung ist, egal wie trübe und schmutzig das Wasser, aus dem er wächst.

Natürlich steht hinter der Blüte des Weltenbaumes noch mehr.

Es ist eine offensichtliche Hommage an das Blütenzimmer der Kindlichen Kaiserin, hoch oben an der Spitze des Elfenbeinturms in Michale Endes Unendlicher Geschichte.

Ich liebe dieses Werk und Michael Ende gehört zu den Autoren, die ich verehre. Als ich versuchte dahinterzukommen, wie der Weltenbaum in meinem Roman aussieht, war es von Anfang an offensichtlich, dass er eine Blüte an der Spitze haben würde. Manche Bilder lassen einen nie wieder los. Ich habe mich schon vor über dreißig Jahren in dieses Motiv verliebt, nicht nur, weil eine Kaiserin in einer Blüte für sich schon ein zauberhaftes Bild ist. Das war ja nur das Buch. Ich war acht Jahre alt, als die Verfilmung in die Kinos kam. Nie werde ich vergessen wie geradezu episch schlecht dieser Film ist, aber mein Gott war ich in Tami Stronach verknallt, die Darstellerin der kindlichen Kaiserin! Die war zu dem Zeitpunkt aber schon zwölf und viel zu alt für einen kleinen Drittklässler wie mich.

Was soll ich sagen, als Autor arbeite ich hier natürlich auch Traumata aus meiner Kindheit auf …

Ein Kommentar zu „Lotusblüten und Liebeserklärungen

  1. Wir sind eine Spiegelung von uns selbst. Da der Geist nicht aus der Materie entspringt, sondern umgekehrt, muss die Vorstellung des weißen Lotus als Ursache dieser reinen Blüte angesehen werden. Und wenn dem so ist, zeigt sich das Bewusstsein, wenn es den Lotus sieht, als Erschaffer dieser Blume. Aus einer kindlichen Ahnung wächst die Intuition, und wenn wir das Konzept entsprechend achtsam behandeln, werden wir in einer Hülle der Glückseligkeit die Sprache der Blumen verstehen.
    „Die Sprache der Blumen“: „Es gibt kein Licht?“ … „Oh, es gibt Licht“ … Einige der Wege waren äußerst schmal und wenn sie dicht neben sich in die Tiefe spähte, sah sie nichts außer einem endlosen Chaos sich kreuzender Pfade und weit unten in der Tiefe eine drohende Dunkelheit. … „Leuchtkugeln“, verkündete der Affe, ohne hinzusehen. „Sie wären extrem nützlich, wenn sie nicht sofort erlöschen würden, kaum, dass man sie berührt.“
    Der schöpferische Augenblick wird, wenn wir ihn nur oft genug erfahren, zum reinweißen, schmutzabweisenden Lotus.

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