Die eigene Medizin

Sprache der Blumen - Insta Chris

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Gerade ist mit Die Sprache der Blumen mein erster richtiger Roman erschienen. Es ist bereits mein viertes Buch, aber erst nach zwei Episodenromanen und einer Kurzgeschichtensammlung fühlte ich mich (halbwegs) sicher genug eine große Struktur in Angriff zu nehmen.

Als Autor, der ebenfalls lektoriert und zu diesem Thema auf seinem Blog Beiträge veröffentlicht, sehe ich mein eigenes Schreiben immer besonders kritisch. Schließlich darf der Leser die berechtigte Frage stellen, ob ich mich eigentlich auch selbst an all die Ratschläge halte, welche ich fortwährend anderen Autoren gebe. Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, sollte ich vielleicht sogar noch mehr tun und am besten auch gleich demonstrieren, dass diese Ratschläge bei Anwendung tatsächlich funktionieren.

Und? Tun sie das?

Ich habe nicht die geringste Ahnung. Ich hoffe es sehr. Es ist verblüffend schwer sein eigenes Schreiben zu beurteilen. Im Folgenden werde ich kurz beschreiben, wie ich versucht habe die wichtigsten Grundlagen selbst umzusetzen:

Länge:

Ich habe von Anfang an auf zweihundertfünfzig Normseiten konzipiert. (Das kommt dann im Buch auf ziemlich genau dreihundert Seiten raus.) Diese habe ich als allererstes in fünfundzwanzig einzelne Szenen unterteilt, von denen keine länger als zehn Seiten sein sollte.

Ich wusste, dass diese Szenenlänge bei mir funktionieren würde, denn im Zuge des Schreibens meiner letzten fünfzig Kurzgeschichten habe ich gelernt, dass zehn Normseiten das Minimum an Platz sind, dass ich brauche, um den Inhalt einer Szene zu transportieren. Die Wahl fiel bewusst auf das Minimum, um mich zur Kürze zu zwingen und Geschwafel zu vermeiden. Das Ziel sollte sein jede Exposition zu vermeiden, auch auf die Gefahr hin, dass viele Fragen einfach unbeantwortet bleiben.

Diese Kürze und Dichte führt (soweit die Theorie) zu einem hohen Erzähltempo, welches ich nutzen wollte, um den Leser schnell zu den spannenden Szenen zu treiben.

Die große Zahl an Szenen hatte den weiteren Vorteil, dass ich die Elemente einfach im Buch hin und herschieben konnte (genau wie Szenen-Elemente auf der Bühne), da ich vermutete, dass meine erste Romanstruktur wahrscheinlich auf verschärftes Basteln hinauslaufen würde. Dem war auch so.

Handelnde Personen:

Es gibt nur zwei Hauptpersonen. Eine junge Frau namens Lilian und einen sprechenden Affen, den sie George nennt. Diese beiden Charaktere werden von einigen wenigen ergänzenden Figuren flankiert, welche jedoch nie im Zentrum der Handlung stehen. Ein solches Szenario hat auf der einen Seite den Vorteil, dass ich keine Sorge haben musste, bestimmte Figuren nicht ausreichend mit Handlung zu versorgen. Auf der anderen Seite besteht das große Risiko, dass die Handlung notwendigerweise viel Konversation mit Tiefgang beinhalten wird, den mit irgendetwas müssen schließlich die ganzen Interaktionen der beiden gefüllt werden. Ich laufe dabei ein wenig Gefahr den Leser zu langweilen, weil ich ihm durch die generell eher friedvolle Natur meines Schreibens nicht genug Abwechslung biete.

Meine Hoffnung ist, dass dies durch das hohe Erzähltempo nicht allzu schwer ins Gewicht fallen wird, zumal ich, um hier vorzubeugen die Spannungskurve in der ersten Hälfte des Buches extra steil gestellt habe. Soweit die Theorie. Keine Ahnung, ob das auch so funktioniert hat.

Genre/Setup:

Ich persönlich hasse Exposés, die zwölf Seiten brauchen, um mir den Plot eines Buches zu erklären. Deswegen sollte mein Setup so einfach wie irgend möglich sein. Am besten kurz genug, um in einen Glückskeks zu passen.

Ober-Genre:

SciFi/Fantasy-Mashup

Frau ohne Erinnerung will Wald verlassen. 

Unter-Genre:

Entwicklungsroman

Frau sucht Ausweg, findet stattdessen sich selbst.

Kernthema:

Was ist Gut und was ist Böse und wieviel Zeit muss vergehen, bevor diese Begriffe ihre Bedeutung verlieren?

Setting:

Der Roman sollte einen fantastischen Einstieg haben und mit jeder weiteren Szene sanft, aber bestimmt in die Science-Fiction abgleiten. Ich fühle mich am wohlsten, wenn ich an einem relativ obskuren Ort zwischen diesen beiden Genres schreiben kann. Je absurder, desto besser. Das Ergebnis ist ein Science-Fiction-Roman der tatsächlich Die Sprache der Blumen heißt. Wenn das kein Alleinstellungsmerkmal ist, dann weiß ich es auch nicht. Das ist natürlich Absicht. Ich will überdeutlich kommunizieren, dass mein Schreiben keine konventionelle Science-Fiction ist, auch wenn das oben auf dem Buch steht.

Ein großer Vorteil dabei ist, dass ich auf diese Weise sicher sein kann, dass ich nicht aus Unwissenheit das Setting anderer Autoren kopiere.

Haben meine endlosen Planungen und Überlegungen den gewünschten Erfolg gebracht? Ich hoffe, dass die Leser es mich wissen lassen werden…

 

 

 

 

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