Publikationsregeln und die Realität

“Reality is that which, when you stop believing in it, doesn’t go away.” [Philip K. Dick]

Lässt man sich auf die zeitgenössische Publikationsbranche ein, trifft man schnell auf verblüffend feste Regeln, die jedem Autor als fundamental verkauft werden.

Hier zwei meiner Lieblings-Beispiele:

  1. Niemand interessiert sich für Kurzgeschichtensammlungen.
  2. Ein Cover muss möglichst bombastisch sein, damit das Buch bemerkt und bewundert wird.

Als Folge davon versuchen alle neuen Autoren wie verrückt Romane zu schreiben und dann das bestmögliche Cover dafür zu ergattern.

Und dann gibt es da noch die Realität und in ihr Autoren wie Ted Chiang.

Ted Chiang ist ein amerikanischer SciFi-Autor, der bis jetzt zwei Sammlungen von Kurzgeschichten vorgelegt hat.

Man beachte den Zeitabstand. In der ersten Sammlung ist die namensgebende Geschichte Stories of Your Life enthalten (schlicht ein Meisterwerk), welche 2016 in Hollywood unter dem Titel Arrival erfolgreich verfilmt wurde. Soviel zum Thema: Niemand interessiert sich für Kurzgeschichten.

Und zum Thema überwältigende Cover, hier die Cover von Ted Chiangs Büchern auf Amazon. Der geradezu schmerzhafte Minimalismus des Taschenbuch-Covers für Exhalation, der den Punkt des Titels dennoch so genau trifft, hat mich sehr, sehr nachdenklich gemacht. Besonders, wenn man die gleichnamige Geschichte gelesen hat (natürlich wiederum ein Meisterwerk).

Die Gründe dafür, dass diese sogenannten Regeln bei Ted Chiang keine Anwendung finden sind natürlich ebenso offensichtlich wie wenig zeitgemäß: Er ist ein hochbegabter, geradezu begnadeter Autor, dessen Geschichten schlicht brillant sind. Es sind Geschichten auf einem Level, dass ich direkt den Stift fallen lassen und wieder mit dem Schreiben aufhören möchte. In seiner Geschichte Stories of Your Life hängt Chiang die Meßlatte so hoch, dass ich sie kaum noch erkennen kann. Für mich als unerfahrenen Autor, der versucht Tritt zu fassen, ist das natürlich hart.

Andererseits bestärkt es meine Auffassung, mich als Autor hauptsächlich auf die Qualität meiner Texte zu konzentrieren und erst einmal lange Zeit auf nichts anderes. Nicht auf Werbung, oder Marketing, Networking, Präsentationen, Lesungen, Radiobeiträge, Zeitungsartikel, Instagram oder welche kreative Form von narzisstischem Exhibitionismus auch immer mir sonst noch einfällt, um mich vom Üben und Lernen abzuhalten.

Wenn die Qualität meines Schreibens gut genug ist, dann folgt alles andere von allein. Das ist meine Überzeugung.

Soweit die Theorie. Ich werde also jetzt einen Kaffee holen, nichts tun und zuhause darauf warten, dass Hollywood meine Bücher verfilmt.

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